Jussi Adler Olsen’s „Erbarmen“ – Hollywood in Buchform

Abgesehen von dem amüsant klingenden Vornamen des Autors „Jussi“ haben wir es bei seinem 2007 erschienenem Werk „Erbarmen“ eher weniger mit einer Komödie zu tun. Ganz im Gegenteil handelt es sich um einen Thrillerda schlägt doch das Gruselherz höher. Nicht zu übersehen ist natürlich die Anlehnung des deutschen Titels an die äußerst erfolgreiche Millenium-Trilogie von Stieg Larsson („Verblendung“, „Verdammnis“, „Vergebung“), die mich Marketing-Opfer auch dazu brachte das Werk zu lesen.

Erbarmen 9,95 EUR/dtv Verlag/ISBN: 978-3-42321-2625

Dem Stil der skandinavischen Thriller/Krimi-Kultur à la Wallander treu geblieben, handelt es sich bei der Hauptfigur Carl Mørck um einen einsamen Ermittler, der sozial komplett inkompatibel ist, jedoch ein hervorragender Kommissar mit unvergleichlichem Spürsinn blablabla. Das hört man wohl nicht zum ersten Mal aber die einsame-Wolf-Masche funktioniert immer wieder. Auf Grund seiner – gelinde ausgedrückt – unfreundlichen Art, wird Carl in das neu eingerichtete Sonderdezernat Q als einziger Mitarbeiter in den Keller der Präsidiums verfrachtet. Das Dezernat soll alte, ungeklärte Fälle neu aufrollen. Er beginnt im Fall der dänischen Politikerin Merete Lynggaard zu ermitteln. Sie verschwand fünf Jahre zuvor und wurde nach erfolglosen Ermittlungen für tot erklärt. Und ab geht die Thriller-Luzie.

Misst man die Qualität eines Thrillers daran, wie schnell ich diesen lese, muss er sehr gut sein. Jedoch ist die Beurteilung eines solchen Werks wohl weniger einfach. In direktem Vergleich zu den Werken von Henning Mankell oder Stieg Larsson müssen in puncto Protagonisten-Charakteristik und Erzähltiefe wohl Abstriche gemacht werden. Adler Olsen versteht sich zwar darauf Spannung zu erzeugen und erzählt seinen Psychothriller geschickt, fast wie aus dem Lehrbuch, jedoch ist die Spannung oberflächlich. Die Charaktere sind allzu durchschaubar und stereotypisch und auch die Handlung ist trotz Zeitenwechsel einfach und ohne großartige Wendungen. Zwar versucht der Autor sich in die Riege der großen skandinavischen Thriller bzw. Krimis einzureihen, jedoch gelingt ihm dies nur teilweise.

Wer also intensiven, tiefgründigen Thrillergenuss sucht, ist fehl am Platz. Wer jedoch für kurzweilig spannendes Entertainment à la Hollywood in Buchform zu haben ist, darf sich dieses Werk nicht entgehen lassen.

Johanna

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One Response to Jussi Adler Olsen’s „Erbarmen“ – Hollywood in Buchform

  1. Janine2610 says:

    Hallo Johanna! :)

    Ich habe “Erbarmen” auch vor kurzem gelesen und rezensiert, ich hoffe, es stört dich nicht, dass ich deine Rezension in meiner verlinkt habe? Falls doch, dann ‘schrei’ einfach … ;-)
    http://janine2610.blogspot.co.at/2015/06/rezension-erbarmen-jussi-adler-olsen.html

    Alles Liebe ♥, Janine

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