DDR Reloaded: Wenn es die DDR 2011 noch gäbe!

Ende Oktober 2011, die Mauer steht noch. Und teilt Deutschland nach wie vor in zwei Teile. Was sich zunächst wie der perfide Traum einiger Altkommunisten, Ostalgiker und anderer Unbelehrbarer anhört, wird in Simon Urbans Debütroman „Plan D“ zur grausamen Realität.

Die Wiedervereinigung hat es hier nie gegeben, stattdessen wurde die DDR während ihrer tiefen Krise 1989/90 „wiederbelebt“. Egon Krenz ist seit nunmehr über 20 Jahren an Macht und Oskar Lafontaine Bundeskanzler der BRD. Die DDR finanziert sich größtenteils durch die Weiterleitung russischen Gases an die kapitalistischen Weststaaten, die sich durch ihren Energiehunger in eine regelrechte Abhängigkeit begeben haben. Doch als die Neuverhandlung der Gaspreise ansteht, bringt der Mord an einem Ex-Berater von Egon Krenz, offensichtlich durch die Stasi verübt, das ganze System ins Wanken. Denn sollte es dem ostdeutschen Volkspolizisten Martin Wegener und seinem westdeutschen Kollegen Richard Brendel nicht gelingen, die Schuld der Stasi zu widerlegen, droht der gesamten DDR der Untergang.

Plan D 24,95 EUR/Schöffling & Co. Verlag/ISBN: 978-3-89561-195-7

Soweit die fiktive Ausgangslage, die durchaus ein wenig Eingewöhnungszeit erfordert. Denn hier werden historische Konstanten, die wir die letzten 20 Jahre als gegeben angesehen haben, im Handumdrehen ins Gegenteil verkehrt. Doch hat man sich erstmal auf die fiktive DDR des Jahres 2011 eingelassen, eröffnet sich eine derart kreativ ausgestaltete Welt, die in jüngerer Zeit im deutschen Literaturbetrieb seinesgleichen sucht. Mit teils beißender Ironie und enormer Detailverliebtheit zeichnet Urban das präzise Bild einer DDR im Jahre 2011, die von der Vergangenheit eigentlich schon überholt wurde. Der Trabi wurde eingemottet, stattdessen fährt man den Nachfolger Phobos, angetrieben durch Rapsöl, weswegen das gesamte Land nach altem Frittierfett stinkt. Die Digitalisierung hat auch die DDR erreicht, man telefoniert mit Handys des Typs „Minsk“, gebaut mit Stasi-Knowhow und westlichen Geräten angeblich überlegen. Die Rolle bekannter Persönlichkeiten wird kurzerhand umgedeutet, und reflektiert so pointiert unsere eigene Realität. Otto Schily ist neuer Stasi-Chef, Gregor Gysi sitzt im Ministerrat der DDR und Sarah Wagenknecht, die altbekannte Diva der Linkspartei, feiert Erfolge als Filmstar. Und Michael Ballack ging nie als „Capitano“ in die bundesdeutsche Fußballgeschichte ein, sondern leitet auf Hiddensee eine kleine Fußballschule. Vor diesem phantastischen Gesellschaftspanorama entspinnt sich ein deutsch-deutscher Agententhriller, der , trotz zahlreicher ironischer Brechungen, nie an Intensität und Spannung verliert. Denn auch wenn einigen Urbans Fiktion unwirklich erscheint, sein Roman sagt letztlich mehr über unsere eigene Realität aus, als manchem lieb sein wird.

Ich kann euch dieses Buch nur empfehlen! Es macht großen Spaß, sich in diese fiktive, aber irgendwo auch sehr reale Vorstellung einzudenken und den Roman zu lesen! Wenn ihr das Buch mal anlesen wollt habt ihr unter folgendem Link die Möglichkeit.

Björn

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One Response to DDR Reloaded: Wenn es die DDR 2011 noch gäbe!

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