David Foster Wallace – Am Beispiel des Hummers

Unser Dozent empfahl uns dieses Buch, sei es doch ein Roman bzw. Narrativ das sich einzig mit Hummern beschäftigt. Ein Beispiel dafür, wie detailliert, dennoch spannend und anregend, man über recht uninteressante Themen schreiben kann.

Im Jahre 2003 erhielt Wallace den Auftrag des MagazinsGourmet – The Magazine of Good Living” zum “Maine Lobsterfestival” in Neuengland zu fahren und darüber zu berichten. Das, obwohl 1997 sein viel gelobtes Werk “Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich.” in Amerika erschien, in dem er auf ironische und kritische Weise den Luxuskreuzfahrttourismus beschrieb. “Für Wallace war der Aufenthalt an Bord ein infernalisches Gepiesacktwerden von den teuflischen Erfindungen des organisierten Vergnügens.”, so die Zeit.

Am Beispiel des Hummers – 12,00 EUR/Arche Verlag/ISBN: 978-3716026113

Das Festival, das unter dem Motto “Leuchtturm, Lobster, gute Laune” läuft, zählt in diesem Jahr 100.000 verkaufte Tickets und 25.000 Pfund Hummer, die, nachdem sie im größten Hummer-Kochtopf der Welt waren, verkauft wurden. Anschließend auf Styroportellern gegessen, den Sitznachbarn mit Fett bespritzt und die Finger vollgesifft haben. Gut, dass hier kaum Servietten gibt!

Wallace schafft es dieses “besonders tolle Gourmetfest” durch und durch in seine Einzelteile zu zerlegen und zu kommentieren. Mit seiner ausgesprochen amüsanten Fußnotentechnik schafft er es über mehrere Seiten, seinen eigenen Kommentar auf süffisante Art preiszugeben. Dabei scheut er sich nicht den Verleger anzugreifen, der die Fußnoten ja eh wieder löschen wird.

“Humanismus auf Hummerbasis. Am Beispiel des Hummers.”

Am Beispiel des Hummers ist ein Auftragsessay für das Gourmet-Magazine, das sich allerdings als kritische Analyse der amerikanischen, aber auch westlichen, Esskultur entpuppt. So beschreibt er nicht nur das Fest als solches sondern auch jedes Detail an und um Hummer. Hierbei scheut er sich auch nicht die Leser des Magazines selbst zu adressieren und ihr Verhalten kritisch zu hinterfragen.

Der kritischste Part beginnt bei der Frage der Zubereitung und Behandlung der Hummer, die bekanntlich lebendig zubereitet werden und als Beispiel für unsere gesamte Nahrungswirtschaft dienen. Er sucht hier nach der Haltung hinter dem Verhalten bzw. wie wir den Konsum von Tieren rechtfertigen.

Ein kurzes aber anregendes Buch! Das durch subtilen Humor Freude bereitet und im Nachgang zum Denken anregt. Genau das richtige für solche, die nicht nur gerne lesen sondern auch mal nachdenken wollen.

Meine Empfehlung!

Christian

EDIT: Der Autor ist kein Vegetarier, somit ist das Buch auch kein Ratgeber für Vegetarismus.

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