Alles ist Grün – David Foster Wallace

Dieses Buch zu rezensieren ist nicht leicht, besteht es aus insgesamt fünf Kurzgeschichten die allesamt unabhängig voneinander aneinander gereiht sind. David Foster Wallace habe ich erstmals in Form von „Am Beispiel des Hummers“ gelesen und schon dort festgestellt, dass man sich auf ihn einlassen muss.

Alles ist grün 19,99 EUR/KiWi Verlag/ISBN: 978-3462043273



Man darf seine Texte keineswegs runterlesen und ausschließlich das Augenmerk auf den Geschichtsverlauf richten; vielmehr muss man auf Details achten. Arne Willander (welt online) beschreibt den Autor sehr treffend mit: „Ein Tarantino der Epik“.
Die fünf Geschichten bürgen also mehr in sich und führen auch nicht zum einfachen weglegen des Buches: “David Foster Wallace zeigt, dass Literatur doch mehr kann, als Geschichten erzählen.” (Harald Staun – FAS). Vielmehr beginnt der eigentliche Prozess nach dem durchlesen der letzten Seite. Seine Geschichten zeigen einen cleveren, subtilen Witz, den es stets aufmerksam zu finden gilt.

Die erste Kurzgeschichte „Zum glück verstand sich der Vertriebsrepräsentant auf HLW“ handelt von der nie dagewesenen Beziehung zweier Angestellter unterschiedlichen Ranges in einem Unternehmen. Das Schicksal eines Schlaganfalles verbindet sie im Laufe der Geschichte. Die Geschichte wird jedoch sehr nüchtern und faktisch erzählt, mit einer Tendenz zur Übertreibung, was den, an sich schrecklichen Vorfall des Schlaganfalls, zunehmend ins Lächerliche zieht ohne dabei offensichtlich zu werden.

Die zweite Kurzgeschichte „Hier und dort“ ist angelehnt an einen Dialog. Der Dialog findet in Form von Aussagen, Gedanken und Handlungen zwischen einem sich trennenden Paar statt. Das Paar interagiert dabei in keiner Szene, durch die alleinstehenden Äußerungen der zukünftigen Ex-Partner werden jedoch verblasste Träume und offenbarte Schwächen ersichtlich. Das Zusammenspiel unterschiedlicher Aussagen erzeugt wiederum neue Sinnebenen, die sich scheinbar nur dem Leser, nicht den Protagonisten offenbaren.

Die dritte Kurzgeschichte „Sag nie“ spielt mit ausführlichen, beinahe verrückten Wortneuschöpfungen zur Beschreibung von Personen und Situationen. Es wird der Fall beschrieben, in dem ein Mann seine „breithüftige, solide stubenhockerblasse Frau von vierunddreißig“ mit einem „Zimtmädchen. Volllippige, bonbonhäutige, bourbonhaarige Latinaschönheit“ betrügt. Dies kündigt er in einem offiziellen Schreiben an seine Mutter an, die völlig geschockt ob dieser Nachrichten versucht mit den Informationen umzugehen.

Die vierte Kurzgeschichte „Alles ist grün“ ist die kürzeste aller und wird laut einer anderen Rezension in einem späteren Werk (Unendlicher Spaß) fortgeführt. Sie wirft mir die größten Fragezeichen auf. Auf nur drei Seiten wird eine Beziehung zwischen Mayfly und Mitch beschrieben. Ein Konflikt ist erkennbar, da Mitch offenbar wesentlich älter als Mayfly ist und somit versucht die Welt anders zusehen. Es scheint als würden hier jugendliche Naivität auf altersbedingte Reife treffen. „Alles ist grün, sagt sie. Schau mal, wie grün alles ist, Mitch. Wie kannst du das alles sagen, wie du dich fühlst, wenn da draußen alles so grün ist.“

Die fünfte Kurzgeschichte „Westwärts geht der Lauf des Weltreichs“ ist eine bis ins letzte Detail ausgeschmückte, daher auch längste, Geschichte des Buches. Sie thematisiert die Entstehung des Mythos McDonalds der in einer Zusammenkunft aller 44000 Schauspieler aus McDonalds-Werbespots gipfeln soll. In dieser Geschichte werden diverse Nebenschauplätze eröffnet die aufmerksames Lesen erfordern und gleichzeitig Zusatzinformationen bieten. Zusatzinformationen die es ermöglichen den fiktiven Kontext noch besser zu fassen. Gleichzeitig wird somit aus der Kurzgeschichte ein Gesamtwerk der Systemkritik.

Das Buch in seiner Fülle auf kurze, knappe Zeilen zu komprimieren fällt schwer. Zu viele Details der Geschichten, aber auch zu viele Denkansätze stecken in diesem 268-Seiten kleinen Buch. Es ist ein Buch das Spaß macht, auf dem ersten Blick leichte Kost darstellt aber mehr in sich trägt als man erwartet.
Wer Spaß am erkunden und mitgrübeln hat, dem sei das Buch wärmstens empfohlen! Jemand der einfache Literatur sucht die zu einem klaren Punkt kommt, schaut sich lieber nach einem anderen Titel um.

Christian

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