Nora goes Canada II – Freedom and Its Owner.

Bienvenue et bien arrivée à Montréal.

Nun besteht endlich einmal Zeit, über die ersten hier verlebten Tage zu berichten. Nach zahlreichen wehmütig schönen Abschieden machte sich besonders ein Gefühl von Endgültigkeit breit, gemischt mit dem Drang, endlich aufzubrechen.

Der Flug: 8 Stunden. Toronto. Chaos.
Und: (natürlich) die verspätete Abreise nach Montréal. Einige Erklärungen bezüglich Aufenthaltsdauer waren nötig, um die Kanadier davon zu überzeugen, dass es nicht unsere Absicht sei, endgültig nach Quebec auszuwandern.

Endlich, nach ca. 13 Stunden: Trudeau Airport Montréal. Von dort aus empfingen Freunde uns und schleppten uns und unsere zahllosen Koffer und Taschen ins Hostel.
Die ersten Eindrücke der Stadt: Groß, laut, die Luft riecht süß und die Lichter gehen nicht aus. So verbrachten L. und ich unseren ersten Abend ziemlich geschafft von der Reise in abendlicher Sommerluft am Fenster unseres kleinen Balkons downtown.

Die darauffolgenden ersten Tage dienten dazu, weitere erste Eindrücke zu sammeln, zu verarbeiten und dabei noch die ersten wichtigen Schritte zu unternehmen. Handy-Karten, Stadtpläne, Adapter (wer hätte daran gedacht.),…kurz: die Hölle.
Ach ja, das nächste große Thema danach war die Unterkunft, die nach den ersten 5 Tagen im Hostel dringend nötig war.

Die Wohnungssuche: zukünftige Berichte erfolgen aus veränderten vier Wänden. Eine bezahlbare Wohnung zu finden ist hier wirklich schwer. Bei ersten Versuchen landeten L. und ich unter anderem in einem Loft über einer Bar direkt auf dem Boulevard St. Laurent.

Hip auf den ersten Blick, dubios auf den Zweiten. Erstes Treffen: Bier,Rum und andere Substanzen. Wir blieben dort für die Party, verschwanden nachts unauffällig nachdem man uns anbot da zu schlafen; es handelte sich doch eher um eine Kommune als um eine Wohngemeinschaft, die genaueren Verhältnisse waren nicht ganz einsichtig. Weitere Wohnungsbesichtigungen schienen erst voll Hoffnung; die Laune kippte bei Anblick der Bewerberlisten. “We’ll call you tonight.“ Jaja.

Dennoch sind wir fürs Erste untergekommen. Direkt an der Rue Sherbrooke in Notre-Dame de Grace, 5 Minuten Bus bis zur Metro, bezahlbar. L. et moi finden hier ersten Unterschlupf bei einem verrückten alten (Lebens)Künstler, bei dem sich Kisten, Leinwände, Zeug… und nun auch wir stapeln. Bei der verzweifelten Suche nach Internet trafen wir hier schon auf nette Studenten & Musikmenschen, es lässt sich also erstmal aushalten.

Unsere ersten Erkundungen Montréals zeigen vor allem eins: Den extremen Stil-Mix aus amerikanischer und französisch-europäischer Kultur. Crêpes Restaurants an der Straßenecke, Cafés, kleine Boutiquen und gleichzeitig die typische Großstadt: Metro, Cabs und Skyline. Außerdem: unzählige Bars, Second-Hand Shops, Street Art. Es hat zum Teil Ähnlichkeiten zu Camden. Auch wenn sich die ersten Eindrücke mit der Zeit wohlmöglich um 180° drehen und wenden werden, fällt es schwer sich an dem bunten Leben hier satt zu sehen.

Doch nicht allein das Auge nimmt wahr.
In der Metro, auf den Boulevards: Man brabbelt auf merkwürdig, doch charmant klingendem Quebecois am Telefon; das Ende: ein hastig ausgespucktes „Bye“.
Gleichzeitig: Das erste Erlebnis der mademoiselle in einer Drogerie downtown. Das Mädchen an der Kasse bezeugt seine Zuneigung zu meinem äußeren Erscheinungsbild; dies auf amerikanisch klischeehafteste Art. “That’s so cute“…Auch Meinungen der anderen Kassiererinnen werden direkt eingeholt.
Das ist dann wohl die offene Nettigkeit, die man allgemein als Oberflächlichkeit verschreit.
Dennoch sind diesbezüglich je nach Stadtteil (downtown vs. Quartier Latin) große Unterschiede zu vermerken. Nach Osten hin wird es mehr und mehr französisch, aber auch studentischer und atmosphärischer.

Das Studentenviertel: Le Plateau. Zumindest was Bars, Shops und Gallerien angeht. Wohnungen sind meist unbezahlbar. Durch Zufall stießen L. und ich hier an einem Abend auf ein kleines Straßenkonzert im Rahmen eines zweiwöchigen Kunst-& Musikfestivals. Mix’Arts 2011. Zwei Mädchen mit Gitarre; die unterschiedlichsten Leute zwischen Pavillions und Laternen auf einem kleinen Platz direkt am Boulevard Saint Laurent. Montréal im Sommer: Ein Moment, in dem der Winter unvorstellbar weit weg erscheint.

Und dann kam Irene.
Draußen Sturm und Regen, Rettungswagen und Sirenen, ganz der klischee-amerikanische Film. Wir tapsen barfuß und durchnässt in das indische Restaurant direkt unter unserem Hostel. Draußen also der Sturm, innen Curry mit Decken auf dem Teppich. Weiter blieben wir von Irenes Launen verschont.

Dies zu den Anfängen in Montréal. Jetzt: der Alltag. Ganz nach L.: „Man vergisst total, dass man hier auch studieren muss.“ Wie Recht sie hat. Ausführliche Berichte zum Uni-Leben hier folgen. Eins ist schon sicher: Der krasse Kontrast zu Maastricht. Dort gemütlich mit dem Fahrrad über Kopfsteinpflaster; hier reist man mit Shuttle-Bussen von Campus zu Campus.

Resümierend:
Körper und Kopf kommen hier zu unterschiedlichen Zeiten an. Alles ist neu und steckt noch in seinen Anfängen. Aber immerhin fühlt das sich gut an.

Au revoir.

Nora

Stop.

PS: Alle meine Berichte findet ihr unter folgendem Link: Nora goes Canada

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