Tag 6: Per Anhalter nach Budapest

Um 8 Uhr sind wir aufgestanden, Simon hat beim Schnick-Schnack-Schnuck verloren und muss daher zum Tesco gehen und unser Frühstück besorgen. In Ruhe gefrühstückt, eine letzte Runde Simon im Kickern geschlagen und los gelaufen zur Bushaltestelle der Linie 93 in Richtung Vysehradska. Wir kommen an: Betonwüste!
Wo man hin sieht nur große Betonklötze die zig Familien beherbergen, fast wie im Film Eurotrip, ich trau mich nicht die Kamera herauszuholen, wer weiß was die hier so treiben.

Wir wissen, dass wir im Süden der Stadt sein sollten, dort über ein Feld laufen, anschließend über Bahngleise, wieder über ein Feld und über die Autobahn gehen müssen. Wir haben allerdings keine Karte, kein Navi und müssen uns einfach durchschlagen. Also los!

Unter einer Autobahnbrücke entlang die voller Graffiti und Elektronikschrott ist, vorbei an Penner-Pappkarton-Matratzen und einer verwirrt umherstreunenden alten Frau, hin zu den Gleisen. Durch ein mannhohes Dickicht von Brennessel- und Dornenbüschen auf die Gleise und wieder hinunter.

Durch ein mannhohes Dickicht voller Dornen- und Brennessel-Büsche, Simon hat sich tapfer vorgekämpft, eine Luftlinie von 15 Metern, die uns erstmal komplett aus der Puste gebracht hat. Oben erwarteten uns Bahngleise, vor lauter Schiss vor einem kommenden Zug sind wir dann schnell wieder runter auf die andere Seite geklettert.

Das Resultat nach unserem Wald-, Wiesen-, Autobahn- und Klettertrip. Socken die schon fast schwarz sind und digital zum Glück keine Gerüche entfalten können.

Wir sind endlich da. Das Hipster Hostel bleibt seinem Namen treu, überall sieht man Schnäuzer und allmöglichen typischen Hipster-Kram.

Natürlich darf in einem echten Hipster-Hostel auch nicht das Fixie fehlen. In der gesamten Zeit unseres Aufenthalts hat sich das Teil keinen Zentimeter vom Fleck bewegt.

Unser Zimmer. Schön dass wir hier mit zwei Italienern pennen und der Raum "Candy Room" heißt - Yummy

Die Küche, direkt neben unserem Zimmer. Ein kleines, nettes Detail, dass ich natürlich nicht fotografiert habe, sind die kleinen Papier-Schmetterlinge über der Spüle aus alten Landkarten.

Über ein zwei Fußballfelder großes zum Glück unbestelltes Feld auf ein riesiges Maisfeld zu. Zum Glück mussten wir nicht hindurch, denn in der Nähe sahen wir einen befestigten Weg. Auf diesem Weg konnten wir über die Autobahn, die Büsche hinunter und an der Autobahn entlang in Richtung Raststätte gehen. Erst jetzt stellen wir fest, was für ein Luxus es war, dass Dan uns in Prag zur Raststätte gebracht hatte!

An der Raststätte ist nur mäßiger Verkehr, der Edding gibt seinen Geist auf und wir erwischen einen Trucker der uns mitnehmen will. Sittek heißt der Gute und fährt direkt nach Budapest, allerdings hat er wie alle anderen LKW-Fahrer nur einen freien Platz, also müssen wir dankend ablehnen. Zum Abschied bringt er uns aber noch kurz sechs frische Äpfel rüber. Wie nett die Menschen sein können!

Simon geht nach einer Stunde erfolglosem Warten los um die parkenden Personen um eine Mitfahrt zu fragen. Zwei Rumänen, einer aus Berlin, die sofort nach Geld fragen, wären bereit uns für je 10 Euro bis kurz vor Budapest mitzunehmen. Wir sind total unsicher und wissen nicht ob wir ihnen trauen können. Zuvor wollte nie jemand Geld haben, allerdings ist es zu verlockend direkt nach Budapest zu gelangen. Es stellt sich heraus, dass es insgesamt drei rumänische Autoschieber sind, die drei Volkswagen und einen Skoda von Berlin nach Rumänien karren. Zur Sicherheit schicke ich eine SMS mit allen Kennzeichen und Wagentypen an meine Mutter, weil wir echt nicht wissen was uns bevor steht. Vor lauter Sorge habe ich dabei gar nicht an meine Mutter gedacht, die sicherlich auch keine ruhige Zeit hatte.

Unser Fahrer heißt Manu und ist der einzige der Deutsch spricht, da er seit sechs Jahren in Berlin lebt. Ein sehr netter Kerl, der gerne Sänger oder Schauspieler werden will, derzeit aber für 100 Euro pro Tour einmal die Woche Autos von Berlin nach Rumänien bringt. Die Musik in seinem Wagen wird alle zwei Minuten gewechselt und erinnert stark an die Autoscooter-Musik auf einer Dorfkirmes. Er scheint eine ganz eigene Philosophie von Klimaanlagen zu haben, so wechselt er im 15-Minutentakt von Klima zur Lüftung, macht anschließend das Fenster runter um dann wieder von vorne zu beginnen.

Wir kommen zum Glück zügig voran und versuchen uns so gut es geht mit ihm zu unterhalten, irgendwann sagt er uns, dass das Nummernschild von seinem Kollegen gar nicht das echte sei, sondern geklaut wurde von einem anderen Wagen. Wir merken, dass selbst unsere SMS jetzt nicht mehr viel helfen würde…

Gefühlt sind wir schon längst an Budapest vorbei und wir beide beginnen Schiss zu bekommen. Doch sagt er, dass er uns bald raus lassen würde. Das tut er auch, mitten auf der Autobahn auf einem SOS-Nothalte-Seitenstreifen, der Horror für jeden Tramper. Wir stehen nun direkt vor einer Ausfahrt in Richtung Siofok, Budapest ist die andere Richtung. Niemand nimmt uns mit, also gehen wir entgegen der Fahrtrichtung, weil wir eine Brücke sehen können. Dort müssen wir über einen Graben springen um anschließend unter einem Zaun hindurch zu rutschen. Wir laufen die von der Brücke kommende Straße entlang, werden von wildgewordenen Haushunden angekläfft und finden eine Bushaltestelle.

Mit Händen und Füßen vergewissern wir uns bei Bauarbeitern in welche Richtung es nach Budapest geht. Ohne einen einzigen Forint in der Tasche warten wir also auf den Bus 166, zum Glück drückt der Busfahrer ein Auge zu und nimmt uns mit. Im Bus erkundigen wir uns bei einem Ungarn mit sehr guten Deutsch-Kenntnissen wie wir umsteigen müssen. Er begleitet uns sogar zum Bus 23. Der Busfahrer interessiert sich überhaupt nicht im entferntesten für Geld oder Tickets, also drängeln wir uns bis nach hinten durch. Unser Ziel: das Hipster Hostel.

Uns fällt auf, dass Simon sein Handy nicht mehr bei sich trägt, übelst pingelig hatte er es stets in der hintersten Tasche seines Rucksacks verstaut, nun liegt es entweder bei Manu im Auto oder an der Raststätte in Bratislava. Super ärgerlich! Wir wurden von allen gewarnt, dass wir ausgeraubt werden könnten und am Ende verlieren wir es weil es aus der Tasche rutscht…Um ihn ein wenig aufzupäppeln verspreche ich ihm ein Bier auszugeben, sobald wir in der Stadt sind.

Das Hostel ist cool und wir kommen in einem Vier-Bett-Zimmer mit dem Namen “Candie Room” unter. Die Dusche tut nach diesem Tag und jede Menge Dreck richtig gut. Wir beide haben nun wirklich die totale Fahrradfahrer-Bräune. Bei der Suche nach Essen haben wir in der Kürze nichts gutes gefunden, weil uns der Hunger treibt gehen wir ausnahmsweise in einen McDonalds – wenigstens ist es hier günstiger als in Deutschland.

Wir sind K.O. und gehen pennen.

Christian

Der Vortag der Abreise
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