Tag 4: Per Anhalter nach Budapest

Um Punkt 8 Uhr aufgestanden, das Bier liegt uns noch in den Knochen, irgendwie haben wir schlecht geschlafen. Wir duschen, ziehen uns an und verdrücken uns aus dem Zimmer um die anderen beiden nicht länger zu stören. Im Innenhof frühstücken wir gemütlich, bereiten unsere Schilder vor und kaufen ein Bahnticket, dass uns in die Nähe einer Raststätte bringen soll. Unser Zimmerkollege Dan ist ähnlich früh wie wir aufgestanden und bietet an uns zur Raststätte zu fahren. Wir freuen uns total über dieses Angebot und nehmen es natürlich an.

Ein Porsche fährt vor, er spricht mich auf tschechisch an und ich verstehe kein Wort. Auf Englisch sagt er mir dann, dass er leider schlechte Erfahrungen gemacht hat und deshalb keine Leute mehr mitnimmt. Schade, wir hätten es echt gefeiert in einem Porsche mit zu fahren! Wir können es aber verstehen und wünschen ihm eine gute Fahrt, aber erst nach dem wir das Foto aufgenommen haben.

Wer einen Deal abmacht hält sich auch daran. Wir helfen mit aus- und einzuladen, dafür fährt uns unser Fahrer noch rüber nach Bratislava, unsere erste Fahrt die wir komplett in einem Stück mit nur einem Fahrer geschafft haben!

Ganz unerwartet in Wien gelandet und ebenso unerwartet gearbeitet.

Habt ihr euch auch schon immer diese Frage gestellt wie Käse und Wurst nach sieben Stunden in brütender Hitze ausschauen? Wir haben den Test gemacht und hier seht ihr das Ergebnis.

An der Raststätte Ujezd sehen wir mit einem Mal 15 andere Tramper, wir sind völlig erstaunt mit einem Mal so viele von “uns” zu treffen. Es stellt sich heraus, dass sie an einem Tramp-Rennen teilnehmen. Es gibt insgesamt fünf Routen, 54 Teams und 117 Teilnehmer die von verschiedensten Ausgangspunkten bis an den Surduc Lake in Rumänien trampen. Man darf kein Geld für seine Fahrten ausgeben und derjenige der am Vortag zuerst am Ziel ankam, darf dann auch die erste Mitfahrgelegenheit am Folgetag nutzen und alles auch noch für einen guten Zweck. Für die NGO Viva Con Aqua wird durch Spenden ein Projekt in Indien unterstützt.
Wir finden die gesamte Aktion total cool und nehmen uns vor, beim nächsten Rennen 2013 mit zu machen. Durch die vielen Kontrahenten hatten wir es allerdings echt schwer vom Fleck zu kommen und mussten gute eineinhalb Stunden warten.

Simon stand wieder am Ende der Raststätte und ich am Anfang, an der Tankstelle, um dort die einfahrenden Leute schonmal abzuklappern. Unser Trumpf sind Deutsche. Sobald wir ein deutsches Nummernschild erspähen gehen wir zu ihnen und suchen das Gespräch, das baut in der Regel viele Vorurteile ab und ermöglicht den Fahrern uns besser einzuschätzen. Dann fährt ein junger Kerl mit deutschem Kennzeichen und Hertz-Transporter auf den Rasthof. Natürlich quatsch ich ihn an. Er muss nach Wien, eigentlich überhaupt nicht unsere Route, aber er muss über Brno, auch in Tschechien, fahren. Also vereinbaren wir, dass er uns in Brno rausschmeißen soll. Während der Fahrt kommen wir ins quatschen, er ist im gleichen Alter wie wir, fährt diese Route von Oldenburg nach Wien einmal die Woche und muss Drogeriemärkte mit diesen Sofort-Bild-Entwicklern ausstatten. Unser Fahrer ist als “Schießwütiger Russe” bekannt, da er bei einem Bundeswehr-Übungseinsatz völlig schlaftrunken meinte den Feind im Nebel auf dem gegenüberliegenden Feld gesehen zu haben und mit seinem Geballer seine gesamte Einsatztruppe in Panik versetzt hat. Wir quatschen also über Gott und die Welt und unser Fahrer macht echt einen coolen Eindruck, er ist völlig erstaunt, dass wir in unserem Urlaub nicht auf der Liege am Strand liegen sondern uns solchem Stress aussetzen. Während der Fahrt kommt mir die Idee ihm einen Deal anzubieten. Wir hatten herausgefunden, dass sein Routenziel Wien nur unweit von unserem entfernt liegt. Bratislava ist im Grunde nur einmal kurz über die Grenze. Ohne Simon zu fragen schlage ich einfach vor, dass wir ihm helfen seine Ware auszuladen und er uns als Gegenleistung dann nach Bratislava rüber fährt.

Unser Fahrer findet diese Idee gut und wahrscheinlich verrückt genug, dass er den Deal annimmt. Simon scheint zum Glück auch d’accord zu sein.

Also stehen wir in Wien in irgendeinem Industriegebiet, verladen diese schweren Computer und kommen in dieser Hitze echt ins schwitzen. Die Ganze Nummer finden wir aber so lustig, dass wir einfach in einer Tour grinsen müssen. Wer hätte gedacht, dass wir noch ein viertes Land mit Österreich mitnehmen, wir arbeiten und danach direkt nach Bratislava kommen würden.
Bei der Überfahrt nach Bratislava muss eine Vignette gekauft werden, die wir natürlich bezahlen. Wir haben echt Schiss vor dieser Stadt, wir wissen absolut nichts über die Hauptstadt der Slowakei, einzig dass es hier Euro als Währung gibt. Die Einfahrt ist schön, scheinbar gibt es hier nur gut aussehende Frauen: sympathisch.
Als uns unser Fahrer, total zentral in Bratislava, rauslässt fragen wir das erste Mal nach seinem Namen. Alex heißt er und strahlt wegen seinem eigenen kleinen Abenteuer und verabschiedet sich in Richtung Oldenburg.

Wir suchen das Patio Hostel auf, am Eingang lernen wir direkt Deutsche kennen. Alle gucken uns entgeistert an, wenn wir ihnen von der “Per Anhalter Nummer” erzählen. Abends haben wir uns dann dem Pub Crawl angeschlossen, ekliges Gefühl weil es das absolute Touri-Programm ist, das Gefühl weicht aber mit zunehmenden Pegel einer fröhlichen Grundstimmung.

Jetzt wird gefeiert.

Christian

Der Vortag der Abreise
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